Die Entscheidung ist längst überfällig!
Die Debatte um die Grundschulstandorte wird mit Leidenschaft geführt. Sie muss mit Leidenschaft geführt werden, weil eine Schule im Dorf sehr viel mehr ist, als ein Gebäude oder ein Stück Lerninfrastruktur.
Seit Monaten ist das notwendige Ziel der Einsparung von überzähligen Gebäudeunterhaltungen fixiert und bekannt. Jetzt ist es ernst, weil es um die tatsächlichen Standorte ganz konkret geht. Aber ernst ist die finanzielle Lage der Stadt schon seit einigen Jahren. Davor können und dürfen wir nicht die Augen verschließen. Hier besteht längst Handlungsbedarf. Seit Jahren schiebt die Politik dieses Thema vor sich her und seit Jahren wird die notwendige Entscheidung bis zur nächsten Wahl vertagt. Frei nach dem Motto: das sollen mal andere entscheiden.
Wer so handelt, agiert weder redlich noch verantwortlich!
Die Entscheidung über die Grundschulstandorte muss jetzt getroffen werden. Weiter den Kopf in den Sand stecken und propagieren, es könne alles so bleiben, wie bisher, ist feige und unverantwortlich.
Werfen wir einen Blick auf die Fakten: Seit Jahren ist die bauliche Unterhaltung in den Dorfschulen vernachlässigt worden, die Kinderzahlen haben kontinuierlich abgenommen. Man hat mit Verbundschulen Zwischenlösungen geschaffen. Auf der anderen Seite sind in der Kernstadt die Grundschulen mit vielen Steuergeldern ausgebaut und modernisiert worden. Dort sind Kapazitäten frei. So haben wir heute den Zustand, dass wir eine ganze Reihe von Dorfschulgebäuden in einem teilweise schlechten Zustand vorhalten und einen hohen Unterhaltungs- und auch Investitionsaufwand haben. Teilweise müssen zudem Schüler von einem Ort zum anderen zum Sportunterricht transportiert werden, weil die Hallen- oder Sportplatzsituation dies erfordert. Auf der anderen Seite haben wir gut ausgebaute und moderne Grundschulgebäude in der Kernstadt, die so viel Aufnahmekapazität haben, dass nahezu alle Einbecker Grundschüler dort aufgenommen werden können. Und nun wollen wir ernsthaft sagen, dass alles gut ist und alles so bleiben muss, wie es ist?
Nehmen wir ein Beispiel heraus: Um den Standort Holtensen zu erhalten, sind Umbaukosten in sechsstelliger Höhe und eine Entmietung eines im Gebäude wohnenden Bürgers notwendig. Auf der anderen Seite haben wir praktisch in Sichtweite der Grundschule Holtensen die Geschwister-Scholl-Grundschule, in die in den vergangenen Jahren rund 4,5 Millionen Euro investiert worden sind. Die Geschwister-Scholl-Grundschule erlaubt einen Ganztagsbetrieb, verfügt über eine Mensa, viele Fachräume, ein Schwimmbad, weitere Betreuungsmöglichkeiten, ist modern und damit für den Grundschulbetrieb auf dem allerneuesten Stand – und hier können problemlos alle Kinder aus Rotenkirchen, Dasssensen, Hullersen und Holtensen aufgenommen werden. Allein dieses Beispiel macht den Handlungsdruck deutlich. Und wenn wir alle sagen, das Wohl der Kinder läge uns am Herzen, dann müssen wir das auch ernst nehmen und können nicht krampfhaft und kurzsichtig an dem bisherigen Zustand festhalten. Die weitere Entwicklung ist vorgezeichnet: die Kinderzahlen entwickeln sich weiter rückläufig. Über kurz oder lang und ob wir das wollen oder nicht, werden die Einbecker Kinder in der Kernstadt zur Schule gehen. Wir können die modernen und freien Kapazitäten nicht ignorieren. Es steht völlig außer Frage, dass kleine Einheiten und der Zusammenhalt in den Dorfschulen viele, viele Vorzüge für das Miteinander und das Lernen bieten. Die Qualität der Ausbildung, die bessere Ausstattung und die erweiterten Möglichkeiten der Grundschulen in der Kernstadt stehen allerdings ebenso außer Frage.
Um es deutlich zu sagen: die Entscheidung zu den Grundschulstandorten ist längst überfällig. Sie muss jetzt getroffen werden und darf nicht wieder irgendwie aufgeweicht oder vertagt werden. Dies wäre unredlich und letztlich sicher auch nicht im Sinne der Kinder oder des Gesamtwohls unserer Stadt und der Dörfer.
Wir werden in den weiteren Diskussionen zu dem Thema den Mut zu deutlichen Entscheidungen aufbringen müssen. Ich kann mir vorstellen und halte es für richtig, wenn wir gemeinsam über den jetzigen Beschluss des Schulausschusses zu Übergangslösungen noch hinaus gehen werden, um eine bessere, gerechtere, günstigere und insgesamt nachhaltigere Lösung für unsere Schulstruktur zu schaffen.

Dirk Ebrecht
Vorsitzender der CDU-Fraktion und
Sprecher der Mehrheitsgruppe
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